KIT-München

Die Geschichte des KIT-München

Im Sommer 1989 kam es in München zu einem tragischen Unfall. Eine Mutter kam mit ihrem achtjährigen Kind vom Einkaufen. Sie mussten, um nach Hause zu kommen, eine große Straße überqueren. Als die Fußgängerampel auf grün schaltet hieß das für das Kind auf seinem Fahrrad Vollgas. Das kleine weiße Schild an der Fußgängerampel vor dem mit Büschen eingefasste Gleisbett: „Signal gilt nicht für Tram" sah das Kind nicht. Der Trambahnfahrer sah aufgrund der Büsche das Kind viel zu spät und konnte den Zug nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen


Die Einsatzmeldung: Kind unter Straßenbahn" führte zu einem Einsatz des nächst verfügbaren Rettungswagens, des nächst verfügbaren Notarztwagens, der zuständigen Feuerwache zur technischen Rettung, der Polizei und des Kindernotarztes. Die Einsatzkräfte kämpften lange um das Leben des Jungen. Nach dem Eintreffen des Kindernotarztes war eigentlich klar, dass das Kind nicht mehr zu retten war.

Trotzdem wurde das Kind unter laufenden Wiederbelebungsmaßnahmen in den Notarztwagen gebracht und in Krankenhaus gefahren. Andreas Müller-Cyran, der damals beim Arbeiter-Samariter-Bund München im Rettungsdienst arbeitete und mit einem Rettungswagen vor Ort war, sah die verzweifelten Eltern des Kindes die verwirrt die Szenerie betrachteten. Orientierungslos standen sie am Rande des Geschehens mit einer für sie unübersichtlichen Zahl von Einsatzkräften und bangten um das Leben ihres Kindes. Andreas Müller-Cyran sprach sie an und nahm sie in seinem Rettungswagen mit ins Krankenhaus. Hier erst erfuhren sie vom Tod ihres Kindes. Der Fahrer der Straßenbahn fand im Einsatzgeschehen mit seinen Bedürfnissen keine Beachtung.

Aufgrund dieses Ereignisses und vieler Erfahrungen zuvor entstand die Idee hier etwas für den unverletzten und dennoch betroffenen Menschen im Rahmen von Einsätzen des Rettungsdienstes. In Zusammenarbeit mit der psychiatrischen Kriseninterventionsstation des Bezirkskrankenhauses Haar, der Kriseneinrichtung Arche und dem Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychiatrie der Ludwig Maximilians Universität entstand das erste Konzept für die Einrichtung des Krisen-Interventions-Teams KIT und Überlegungen für die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Arbeiter-Samariter-Bund München unterstützte Andreas Müller-Cyran und einen Kreis von Rettungsdienstkollegen bei der Gründung der Initiative. Der Arbeiter-Samariter-Bund RV München /Oberbayer e.V. ist auch heute noch Träger dieser Einrichtung.

Nach Planungen und Vorbereitungen Herbst/ Winter 1991/ 1992 , der Ausbildung und Vernetzung mit anderen Einrichtungen 1992/ 1993, begann der Einsatzdienst des KIT am 9. März 1994, als erstes Projekt dieser Art weltweit. Seit dem war das KIT-München ununterbrochen im Dienst.

Die Betreuung dieser Personen stellte eine Lücke im Netz der Hilfeleistungen dar. KIT ist integraler Bestandteil des Rettungsdienstes München. Der Buchstabe T im Namen steht für das Wort Team", denn wir verstehen uns als ein Team, auch wenn bei Einsätzen in der Regel nur ein oder zwei Mitarbeiter tätig werden. Unser Ziel ist es Menschen in akuten Krisensituationen eine fachlich und menschlich qualitativ hochwertige, professionelle Betreuung zu bieten, um negativen Folgen z.B. Isolation, Krankheit; Sucht vorzubeugen bzw. Brücken zu schlagen damit Betroffene schnellstmöglich geeignete Hilfe erhalten. Zwar steht der Mensch für uns im Vordergrund, doch hat das Projekt auch einen interessanten wirtschaftlichen Aspekt: Eine Studie der Münchner Universität LMU belegt die hohe Bedeutung der Sofortbetreuung. In vielen Fällen kann damit nachweislich behandlungsbedürftigen Spätfolgen vorgebeugt werden bzw. die Betroffenen schnell in Behandlung kommen und Cronifizierungen zu verhindern.


Aus Gründen der besseren Lesbarkeit des Textes haben wir im gegebenen Fall jeweils die männliche Form gewählt. Dies stellt keine Diskriminierung dar.


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