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Helfer kehren aus Thailand zurück Süddeutsche Zeitung 5. Januar 2005
"Wir sind in einer Dekompressionsphase", sagt Andreas Hänsel. "Wir
versuchen aufzutauchen." Hänsel ist Einsatzleiter des Krisen-Interventions-Teams
(KIT), das eine Woche lang im Auftrag des Auwärtigen Amtes in Phuket im Einsatz
war. Gestern abend ist das Team aus Thailand nach München zurückgekehrt.
Begleitet wurde Hänsel von Tita Kern, Jürgen Arnold und Detlef Dodenhof, während
Alexander Fischhold und Dominik Hinzman bereits am Anreisetag, nach gerade mal
drei Stunden Aufenthalt in Phuket, einen Passagierflug zurück nach Deutschland
begleiteten - an Bord 100 Passagiere, darunter leicht- und mittelschwer
Verletzte, aber auch 25 Kinder ohne ihre Eltern.
"Grob gesagt, waren wir für Thailand zuständig", sagt der sichtlich erschöpfte
Hänsel. "Die Lage, die wir vorgefunden haben: Überhaupt keine Strukturen." Ihre
eigentliche Aufgabe - psychosoziale Betreuung - hätten sie eigentlich kaum
erledigen können, stattdessen Katastrophenschutz.
Beim Eintreffen am Freitag der Vorwoche waren die Verletzten bereits in teils
primitiven Ambulanzen untergebracht und mussten in andere Landesteile gebracht
werden. In den Hubschraubern waren immer KIT-Mitglieder dabei. Für die
Verletzten habe stets die Gefahr bestanden, sich eine Blutvergiftung zuzuziehen,
sagt Hänsel. "Wir sprechen hier von schwersten Weichteilverletzungen und
Fleichabschürfungen bis auf die Knochen." Die Verletzten seien nur notdürftig
versorgt gewesen, etwa um Blutungen zu stillen. Hänsel will das aber nicht als
Vorwurf an die dortigen Mediziner verstanden wissen. Die hätten getan, was in
ihrer Macht stand. "In den Intensivstationen lagen die Touristen - nicht die
Thais."
Beeindruckend sei auch das Verhalten der Bevölkerung gewesen: "Man hat uns
Süßigkeiten und frisches Obst gebracht, Glücksketten, die gegen alle Unbill
schützen", so Hänsel. Die KIT-Mitarbeiter haben in Phuket grauenvolle Szenen
erlebt. Hänsel erzählt von Kindern, die ihre Eltern verloren, und Eltern, deren
Kinder vermisst werden. "Dringend" rät er allen Betroffenen aus Deutschland
davon ab, auf eigene Faust in die Krisenregion zu reisen - "auch wenn wir
wissen, wie wichtig es ist, zu erfahren, ob jemand lebt oder wo er begraben
wird". Die Zuständigen vor Ort leisteten hervorragende Arbeit. Außerdem komme,
wer privat anreise, nicht in die großen Leichenhallen hinein.
Alexander Diehl
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.3, Mittwoch, den 05. Januar 2005 , Seite 38
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Publiziert am: Dienstag, 29. Mai 2007 (3665 mal gelesen)
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