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Eingeklemmt in U-Bahntür – Fahrgast tot

Unfall am Bahnhof Innsbrucker Ring

Süddeutsche Zeitung 31. Juli 2004


Ein in einer Waggontür eingeklemmter Mann ist am U-Bahnhof Innsbrucker Ring gegen einen Spiegel geschleudert worden. Der 27-Jährige aus Geltendorf war sofort tot. Er hatte mit anderen Fahrgästen die Tür der U5 gewaltsam geöffnet, um einen ausgerissenen Hund einzufangen. Etliche Fahrgäste wurden Zeugen des Unglücks und erlitten einen Schock. Die Staatsanwaltschaft ließ den Zug sicherstellen.

Von Christian Rost

Der 27-Jährige stieg am Donnerstag gegen 19.45 Uhr mit drei Bekannten – zwei Frauen und einem Mann – am Innsbrucker Ring in die U5 ein, um Richtung Neuperlach zu fahren. Einer von zwei angeleinten Hunden, die sie dabei hatten, sprang plötzlich durch die offene Tür zurück auf den Bahnsteig. Die 34-jährige Hundehalterin lief hinterher und stürzte auf den Bahnsteig.

In dem anfahrenden Zug drückten dann laut Polizei mehrere Personen die Tür im vierten Waggon auf, und der Geltendorfer versuchte, sich hindurchzuquetschen. Als ihm dies beinahe vollständig gelungen war, passierte der Waggon den Kontrollspiegel am Tunneleingang. Der Mann prallte mit dem Oberkörper bei einer Geschwindigkeit von mindestens 40 Stundenkilometern dagegen und blieb leblos auf dem Bahnsteig liegen.

Der alarmierte Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Alkohol oder Drogen hätten bei dem Unfall keine Rolle gespielt, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.

Zehn Wartende auf dem Bahnsteig und etliche Fahrgäste im Zug wurden Zeugen des schrecklichen Unfalls. Sie erlitten Schocks, das Kriseninterventionsteam kam zur psychologischen Betreuung. Die Polizei sperrte die Unglücksstelle ab. Die 53 Jahre alte U-Bahnfahrerin hatte von dem Unfall nichts bemerkt. Sie fuhr zunächst weiter bis zur nächsten Haltestelle Michaelibad.

Dort erst konnten sie Fahrgäste informieren. Die Staatsanwaltschaft stellte den Zug sicher. Ein Gutachten soll klären, ob es einen Defekt im Sicherheitssystem gab. Und bei der Vernehmung der Fahrerin soll geklärt werden, ob sie eventuell ein Warnsignal, das bei geöffneten Türen aufleuchtet (siehe Link), übersehen hat. Der Betriebsleiter der Münchner Verkehrsbetriebe (MVG), Günther Pedall, bezeichnete die Zugführerin als „sehr erfahren und zuverlässig“.

Nach MVG-Angaben hätte das Unglück mit dem Ziehen der Notbremse verhindert werden können. Zwei solche Vorrichtungen befinden sich an den Informationstafeln am Bahnsteig, mehrere in den Waggons. Zeugen waren noch neben dem Zug hergelaufen und hatten schreiend und gestikulierend versucht, die Fahrerin zu warnen. An die Notbremse dachte in diesem Moment aber niemand.

Der MVG-Betriebsleiter räumte auch ein, dass eine Aufsicht am Bahnhof den Zug hätte rechtzeitig stoppen können. Aufsichtspersonal ist für die U-Bahnhöfe aber nicht vorgesehen.

Es handelt sich um den zweiten schweren U-Bahnunfall seit 2000, bei dem ein Fahrgast in der Tür eingeklemmt zu Tode kam. Vor vier Jahren hatte sich am U-Bahnhof Neuperlach ein 58-jähriger alkoholisierter Mann den Fuß in der Tür eingeklemmt und war zu Tode geschleift worden. Der Zugführer wurde – weil er vor der Anfahrt in den Kontrollspiegel hätte sehen müssen – vor Gericht zu einer Geldstrafe von 6000 Mark verurteilt.

Bei der Untersuchung des Zuges stellte sich heraus, dass zudem die Anfahrtsperre versagt hatte. Die MVG beschloss daraufhin, ihre Züge technisch umzurüsten. Der Unglückszug vom Innsbrucker Ring war allerdings noch nicht nachgerüstet worden.

Betriebsleiter Pedall bedauerte den tödlichen Unfall, kritisierte am Freitag aber auch, dass immer wieder Zugtüren gewaltsam geöffnet würden. „Es gibt Fahrgäste, die das System absichtlich stören. Damit wird die Sicherheit bewusst außer Kraft gesetzt.“ In solchen Fällen könne auch modernste Technik Unfälle nicht verhindern. „Da sind wir machtlos“, so Pedall. Mit der Münchner U-Bahn sind täglich etwa eine Million Fahrgäste unterwegs.

 


Pressespiegel

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Publiziert am: Mittwoch, 30. Mai 2007 (3338 mal gelesen)
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